Frauen im Hinduismus: Gesetzbuch des Manu

Indische Frauen haben es nicht leicht. Die Stellung der Frau im Hinduismus mutet nämlich nach wie vor mittelalterlich an. In kaum einem anderen Land ist die Rollenverteilung so strikt und konservativ wie in Indien. Frauen gelten laut dem Gesetzbuch des Manu, einem indischen Gesetzbuch mit normativer Wirkung, als von Natur her zum Bösen geneigte Wesen. Die Aufgabe des Mannes sei es, die unreine Frau unter Kontrolle zu halten. Nach wie vor beeinflusst dieses Werk das alltägliche Leben im hinduistisch geprägten Indien relativ stark. Die traurige Folge ist, dass viele Frauen in Indien unterdrückt, misshandelt oder gar vergewaltigt werden.




Stellung der Frau gemäß Gesetzbuch des Manu

Laut dem Gesetzbuch des Manu, das zwischen 200 vor und 200 nach Christus entstanden sein soll, darf eine Frau nicht unabhängig sein, da sie sinnlich, unrein und zum Bösen geneigt ist. Als junges Mädchen gehört eine Frau ihrem Vater, als Ehefrau ihrem Ehemann und als Witwe ihren Söhnen. Eine Frau ist dem Mann untertan und wird von ihm kontrolliert, aber auch beschützt.

Eine Frau hat sich um den Haushalt und um die Kinder zu kümmern. Ihr größtes Ziel sollte es sein, ihrem Mann Söhne zu gebären. Absolute Treue gegenüber ihrem Mann ist Pflicht: eine gute Ehefrau sorgt für ihren Ehemann und stellt ihre eigenen Ansprüche zurück. Grundsätzlich kann eine Frau im Hinduismus nicht zur Erlösung gelangen, sie müsste dazu erst einmal als Mann wiedergeboren werden.

Verhaltenskodex einer Frau gegenüber einem Mann

Das Gesetzbuch des Manu beinhaltet auch einige Verhaltensregeln, an die sich eine Frau halten sollte. Beispielsweise stehen im Gesetzbuch des Manu sinngemäß folgende Regeln:

  • Eine Frau soll nicht sitzen, wenn der Mann steht.
  • Eine Frau soll erst essen, nachdem der Mann gegessen hat.
  • Eine Frau soll nicht schlafen, bevor der Mann nicht schläft.
  • Eine Frau soll morgens aufstehen, bevor der Mann aufsteht.
  • Wenn eine Frau vom Mann mit Verachtung gestraft wird, soll sie sich nicht rächen.
  • Wenn eine Frau von einem Mann schlecht behandelt wird, soll sie sich geduldig zeigen.

Aus moderner Sicht sind diese Regeln alles andere als zeitgemäß, haben aber insbesondere in ländlichen Regionen Indiens – zumal im Hinduismus Manu der Urvater des Menschengeschlechts ist und damit für streng gläubige Hinduisten eine große Bedeutung hat – nach wie vor Einfluss auf diverse Lebenspraktiken und Rituale. Beispielsweise ist es in Indien üblich, dass bei der Heirat eine Mitgift an den Ehemann gezahlt wird. Viele Väter von Töchtern befürchten, durch Mitgiftzahlungen zu verarmen und in den Ruin getrieben zu werden, was u. a. dazu führt, dass in Indien überwiegend Mädchen abgetrieben werden.

Frauen im Hinduismus: Witwen

Witwen haben es in Indien besonders schwer, da sie für gewöhnlich eine besonders niedrige Stellung in der Gesellschaft haben. Die Wiederverheiratung einer Witwe ist kaum denkbar. In früherer Zeit war selbst die Witwenverbrennung nicht unüblich. Heute ist die Witwenverbrennung in Indien verboten, einzelne Fälle gibt es heute aber leider immer noch.




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2 Gedanken zu „Frauen im Hinduismus: Gesetzbuch des Manu

  1. susi

    Hinduistische Frauen, die von ihren Männern unterdrückt und gedemütigt werden, können einem ja nur leid tun. Es muss endlich größere Bewegungen geben, die dem ganzen Treiben Einhalt gebieten. Auch sollte die internationale Gemeinschaft mehr Druck ausüben, wenn es mal wieder negative Schlagzeilen aus Indien gibt. Unterdrückung, Vergewaltigung und auch Mord gehören da ja im Grunde genommen zum Alltag. Das muss sich unbedingt schleunigst ändern!!!

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  2. Pingback: Indische Frauen: Mentalität und typische Eigenschaften

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